Am Isartor und im Tal, in der vom Autoverkehr sichtlich überlasteten Stadt München, soll ein Zeichen gesetzt werden, das für die grundsätzliche Ausrichtung im stadtplanerischen Denken steht: Der Stadtkörper wird als atmendes System in einem strategisch umfassenden Gesamtzusammenhang weiterentwickelt.

Es ist Zeit, den Stadtäumen ihre Identität zurückzugeben und so der städtebaulichen Monotonisierung entgegenzuwirken.

Markus Uhrig

Am Isartor und im Tal, in der vom Autoverkehr sichtlich überlasteten Stadt München, soll ein Zeichen gesetzt werden, das für die grundsätzliche Ausrichtung im stadtplanerischen Denken steht: Der Stadtkörper wird als atmendes System in einem strategisch umfassenden Gesamtzusammenhang weiterentwickelt.

Die Belebung des Tals, als atmendes System, das durch die Menschen lebt, die sich dort aufhalten.

Rolf Külz-Mackenzie

Ziele der Neugestaltung

– ein Ort zum Verweilen
– ein menschengerechtes tal
– bessere Luft
– historischer Bezug

Hier im Tal stehen sich zwei Stadttore gegenüber: das der Heinrich- und das der Ludwigstadt. Es ist das letzte Paar, das noch auf diese Weise besteht. Diese architektonische Besonderheit gab es in München insgesamt fünf mal.
Vielleicht interessiert es die MünchnerInnen, wie ihre Stadt früher einmal gewesen ist …
Früher hat ein Bach die beiden Tore optisch miteinander verbunden.
Heute ist dieses starke Zeichen Münchner Identität in der Wahrnehmung verschwunden.
Die Tore sind noch da, die Verbindung nicht.
Es fehlt also die Geschichte.
Der historische Kontext ist Uhrig grundsätzliches Anliegen. So sind der Bezug und das Verständnis städtebaulicher Strukturen immer Teil seiner Mittel, seiner Gestaltungswege und Lösungen.
In fast poetischem Sinn möchte Uhrig die Menschen durch die Straße leiten. Sie soll zum verkehrsfreien Boulevard werden, in dem wieder ein Bach fließt und Bäumen stehen, die als grünes Band den Bachlauf aufgreifen.
Auch zur Verbesserung des Kleinklimas tragen Wasser und Begrünung bei.
Mit der Wiedergewinnung des Bachs werden die beiden Stadttore und damit, das noch einzig erhaltene Turmpaar Talburgtor und Isartor wieder zusammengeführt.
Als Teil der architektonischen Lösung werden parallel zum Bach flache Bäume angelegt.
Wie Schirme, verdecken flachgeschnittene Bäume die Stadtsilhouette nicht, und von den Sitzbänken der Hochbrücke aus, kann man auf beide Tore schauen.
Insgesamt soll es neun Brücken geben. Auch zum Verweilen gedacht, sind sie mit Sitzbänken bestückt.
Ein kleiner Naherholungsbereich entsteht und das, was den Menschen durch die autogerechte Stadt genommen wurde, wird wird ihnen hier zurückgegeben.
Zur reinen Verkehrsinsel ver­kommen, ist von der stadthistorischen Einbettung der einst bedeutsamsten Münchner Stadttore nichts mehr zu sehen.
Markus Uhrig
Die nach Osten zum Isartor führende Straße, die den anschaulichen Namen Tal trägt, zeigt noch all die Hässlich­keiten, die sich ergeben, wenn der Verkehr ungebremst durch Altstadtgassen fließen kann. Gottfried Knapp
Hier, im historischen Zentrum, hat die Weltstadt mit Herz eine offene Wunde. Jochen Boberg
Das Tal ist der ungepflegteste Ort in der gesamten Altstadt Münchens. Gottfried Knapp
Ich möchte den Menschen die Historie der Stadt erzählen, aber mit modernen architektonischen Mitteln. Markus Uhrig
Das mittelalterliche München wird nicht wieder installiert, sondern neu interpretiert.
Das Tal soll ein belebtes tal werden. Markus Uhrig
Der heutige Isartorplatz ist ein Relikt aus der Zeit der „autogerechten Stadt“, als man noch vorhatte, den Altstadtring sechsspurig durch das Gärtnerplatzviertel zu brechen und so den Isartorplatz auf einer Art Stadtautobahn mir dem Sendlinger Tor-Platz zu verbinden.
In einer Darstellung des Baureferats wurde das noch 1970 zur Planung der Fußgängerzone gezeigt. Es geht um die Heinrichstadt und die Ludwigstadt und eben die beiden jeweiligen Stadttore. Die Geschichte dieser beiden Städte ist einzigartig; die Stadt in der Stadt.
Das Isartor ist im Gegensatz zum Karls- oder Sendlingertor das einzige komplett erhaltende Tor, das mit Hauptturm, Schildmauern und Flankentürmen nahezu vollständig erhalten ist. Es ist auch das einzige, bei dem das Pendant der Heinrichstadt (Talburgtor/Alter Rathausturm) noch existiert.
Von Ludwig dem Bayern im 14. Jahrhundert erbaut, wurde das Isartor von Ludwig I. vor dem Abbruch bewahrt und mit privaten Mitteln saniert. König Ludwig II. setzte sich während seiner Regierungszeit gegen einen erneuten Versuch ein, das Isartor abzureißen.
Von den drei noch vorhandenen Münchner Stadttoren ist nur noch das Isartor vollständig erhalten.
Durch einen Handstreich sicherte sich Heinrich der Löwe die Einnahmen aus dem Salzhandel. Zunächst wurden sie am Talburgtor (jetziger rekonstruierter Alter Rathausturm) erhoben, später an dessen Pendant in der Ludwigstadt: dem Isartor.
Das Isartor bot vielfach Einlass zu prachtvollen Ereignissen wie der Hochzeit Wilhelms V. im Jahre 1568.
Zur reinen Verkehrsinsel verkommen, ist von dieser stadthistorischen Einbettung des einst bedeutsamsten Münchner Stadttores heute nichts mehr zu sehen.
Da geht es nicht um Schönheits­reparaturen, sondern um einen grundsätzlichen Wandel, um das Experiment einer Utopie. Jochen Boberg